Farbwechsel- raus aus der Comfortzone

„Ich wusste gar nicht, dass ich der Grüntyp bin…“ 

An diesem frühlingshaften Abend erwartet mich die Wohnung mit Kerzen im skandinavischen Style. Von Dunkel- bis Mintgrün ist alles dabei. Die frisch ausgeschüttelten Samt- und Leinenkissen sind in helle und mintgrüne Kissenbezüge mit bestickten Palmenblättern gehüllt. Das Seegras in dem matt goldenen Übertopf bewegt sich zum kühlen Abendwind, der sich einen Weg durch das Fenster in die frisch aufgeräumte Wohnung gesucht hat. Leiser Bossa Nova Jazz klingt lauschig durch das Tablet und aus der Küche duften frische Gewürze. In Körben aus Bast wartet neuer Lesestoff auf mich. 

Einige von euch werden nun bestimmt erstaunt vor dem PC sitzen, mit einem Ingwertee in der Hand, und sich fragen, ob ich tatsächlich im richtigen Farbspektrum geshoppt habe. „Ja“, sage ich mit einem zuckersüßen und tiefen entspannten Ton. Alles steht diesen Monat bei mir unter dem Motto – Relax und Natur- . 

Ich gebe ja zu, ich bin ein Mensch, der Gewohnheiten liebt. Meine Wohnung ist zum Beispiel immer in der Grundfarbe Weiß eingerichtet, man findet Kissenbezüge in verschiedenen Gelbtönen auf meiner Couch…  dasselbe Duschgel in meinem Bad und meine Waage zeigt am Monatsende immer wieder das gleiche Ergebnis an. Dies führt gelegentlich zu einer wiederkehrenden Frustration und zu einer schweißtreibenden und verzweifelten Einheit peinlicher Verrenkungen, sozusagen eine Wiedergutmachung des plattgesessenen Hinterteils mit den Bauch-Beine-Po Videos auf Youtube. 

Ein besonderer Höhepunkt ist die wohlverdiente und meist nicht einkalkulierte Pause, die zur richtigen Zeit, aber selten mit den richtigen Texten kommt. Wir strecken unseren Popo so gut es geht in die nächste Beuge, eine Frauenstimme brüllt uns aus den Lautsprechern des Tablets an, dass wir noch ganze 8 Stück vor uns haben, unser Blick wandert vom ersten Bauchring zur nächsten Verrenkung und dann… ja dann.. klingelt unser Smartphone. Es könnte etwas dringendes sein und überhaupt wollten wir eh eine Pause machen. Verschwitzt schauen wir nach und entdecken die Nachricht eines Lustknabbermolches auf unserer Lieblingsapp. „Na du heiße Schnecke, rrrr… so süße rote Lippen hast du, grrrr… lässt du mich daran mal knabbern?“  Rot wie eine Melone schauen wir uns um. Was würde der Lustknabbermolch wohl sagen, wenn wir ihm ehrlich schreiben, dass wir gerade zu einem Bauch-Beine-Po Video turnen. Einige von euch werden nun lachen. Ja, diesen Gedanken hatte ich auch schon. Wahrscheinlich würde ein Lustknabbermolch dies noch als eine Art von privater Einladung zur Turnstunde verstehen— und da heißt es immer nur Frauen würden interpretieren- aber sind wir mal ehrlich. Wir könnten ihn das nächste mal mit einem Hashtag ganz getreu dem Motto #fürmehrrealitätauftinder überraschen und ihm schreiben, dass wir gerade durchgeschwitzt an dem Fitnessvideo trainieren, weil nur noch die Hosen mit Gummizug passen, mal abgesehen von der Tatsache, dass die Frisur eine Neuinterpretation von „Vom Winde verweht“ darstellt und die angeklebten Wimpern gerade kurz vor dem Abfallen sind… Ich werde euch bei Gelegenheit berichten, sollte ich diesen Hashtag mal einsetzen… Aber genug von knabbernden Lustmolchen… zurück zum Farbwechsel… was wollte ich euch eigentlich erzählen? Achja genau, warum es mal ganz gut ist, beim Interieur und anderen Lebensbereichen aus der Comfortzone herauszuspazieren. Diese Woche waren gewohnte Prozesse ein großes Thema. Von spontanen Reisen nach Bella Italia, wichtigen Entscheidungen, über erste Stehversuche bei meinem Lieblingslöwen bis hin zu dem Versuch, den Wäscheständer einfach mal vor Freitag aus dem Wohnzimmer zu räumen… war diese Woche nicht nur im Interiorbereich geprägt von Farbwechseln. 

Hat sich der Farbwechsel gelohnt? Na aber hallo. Neue Farben in der Wohnung sorgen nicht nur für neue Inspiration, sondern laden ein, sich selbst ein Stück mehr kennenzulernen. „Ich wusste gar nicht, dass ich der Grüntyp bin…“, erzählte mir letztens eine Freundin, die seit Jahren überlegt hatte, ihre Wand gegenüber vom Bett mintgrün zu streichen. Was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt. Letzte Woche stand sie auf, fuhr zum Baumarkt, hat alle ihre Gewohnheiten über Bord geworfen und es einfach getan. Ihr wolltet schon immer mal die EINE blaue Vase kaufen oder das EINE Bild? Die frühlingshaften, warmen Temperaturen laden ein, einfach mal etwas neues zu dekorieren oder euren Balkon neu zu bepflanzen. Wer noch ein paar schöne alte Dinge im Schuppen liegen hat, kann mit Farben aus dem Baumarkt etwas schönes neues daraus zaubern. Lehnt euch zurück und überlegt euch mal, ob es etwas gibt, dass ihr gerne schon immer mal ändern wolltet- vielleicht ist es der Anstrich einer Wand, das Aufhängen eines Bildes oder eine Farbe für den Dekorationsbereich, an die ihr euch aber noch nicht herangetraut habt. Na fällt euch etwas ein? Dann würde ich sagen, bevor ich euch nun weiter voll erzähle… beende ich diesen Blogeintrag mit den Worten … „Ich wusste gar nicht, dass ich der Grüntyp bin…“. 

2018-12-29T13:06:01+00:00April 28th, 2018|interior|0 Comments