Eukalyptus und zuckersüße Unwahrheiten…

„ Ich wollte nochmal ganz kurz in dem Laden dort schauen. Eigentlich brauche ich ja nichts. Geht auch ganz schnell.“ „Okay. Dann warte ich die 5 Minuten draußen.“ 

Frauen sind eigentlich sehr gut zu verstehen. Wir meinen meistens immer genau das Gegenteil, von dem, was wir unserer Außenwelt mitteilen. In äußert „existenziellen und lebenswichtigen“ Situationen wie Interiorshopping laufen wir zur Hochform des Multitasking auf. Wir sind in der Lage mit einem zuckersüßen Lächeln eine Unwahrheit nach der nächsten auszusprechen, gleichzeitig das männliche Wesen in einer sicheren Stimmung zu wiegen oder draußen bei den anderen Zweibeinern zu parken, währenddessen Telefonkonferenzen mit der besten Freundin abzuhalten, um am Ende mit etwas ganz anderem aus dem Geschäft zu gehen, was wir so natürlich gaaaaaaaar nicht geplant hatten. 

Sehe ich da etwa zustimmendes Kopfnicken auf männlicher Seite und leichtes Augenverdrehen meiner weiblichen LeserInnen, wenn sie an den letzten Ikeabesuch (#Werbung, da Ikea ab jetzt im Blogbeitrag genannt) denken?

Es gibt ja ganz unterschiedlichen Varianten an einen solchen Besuch bei Ikea heranzugehen. Auch hier sind wieder weibliche Cleverness und Fingerspitzengefühl gefragt, um am Ende doch noch harmonisch gemeinsam nach Hause fahren zu können. 

Wir starten mit der Anfangsformulierung bereits auf der Hinfahrt. An alle männlichen Leser sei nun nochmal erwähnt, wenn FRAU sagt, dass sie „eigentlich nichts braucht und auch nur ganz kurz wegen dieser EINEN Pflanze zu Ikea möchte“, sind in diesem einen Satz bereits ca. 2-3 zuckersüße Unwahrheiten versteckt.

1.“Ich brauche eigentlich nichts“ – übersetzt – „Selbst wenn ich nichts brauche, finde ich immer etwas, was wir oder ich noch gebrauchen könnte.“ 

Wir Frauen sind natürlich clever und haben mittlerweile uns auch ausgetauscht über sämtliche Erfahrungswerte. Entweder lassen wir es zu einem gemeinsamen Ikeabesuch gar nicht erst kommen und gehen mit unserer besten Freundin alleine oder wir studieren unser schönstes, vollkommen überraschtes Lächeln ein, um den anderen Teilnehmern des Ikeabesuchs ein Sache schmackhaft zu machen, die wir natürlich dringend! benötigen. Wir sind natürlich ganz vollkommen überrascht (Achtung Ironie), dass es sowas ja gibt, was man schon immer gesucht hat, ohne zu verraten, dass wir zuvor stundenlang, ach was sage ich, wochenlang bereits sämtliche Internetseiten im Voraus durchforstet haben, was man denn so noch gebrauchen könnte. Hand aufs Herzchen, liebe Damen der Sonne, wer weiß denn nicht bereits im Voraus von der Eukalyptuspflanze oder vom goldenen Rahmen mit Ananasdesign, sobald wir auch nur einen Schritt in Richtung Ikea getan haben? Das nenne ich mal klare Vorbereitung und eine Meisterleistung. Vor allem diese Anstrengung einen vollkommen überraschten Gesichtsausdruck zu haben – ganz getreu dem Motto- „Ach Schatz schau doch mal, ich glaube es ja nicht. Das war ja so gar nicht eingeplant heute, aber schau doch mal. Ich flippe aus. Diese Pflanze würde doch perfekt in das Wohnzimmer passen. Also, das ist ja wirklich ein Zufall, dass es sowas hier gibt. Ich glaube es ja nicht.“ 

Ja ich weiß, was meine weiblichen Leserinnen jetzt sagen werden. Wie sollen wir es denn sonst machen? 

Sollen wir eine Liste schreiben, was uns so nachts bei Instagram in den Sinn kommt, was man sonst noch so brauchen könnte und das bereits vor dem Besuch beim Ehemann/Freund oder besten Freund einreichen. Ja, alle werden nicken. Besser nicht. Es gibt ja einige Möglichkeiten, um so eine Wunschliste einfach mal ganz nebenbei während eines Gesprächs fallen zu lassen… Spätestens in der euphorischen Demonstrationsphase („Schau mal, hier könnten wir das hinstellen und dort fehlt noch die Vase. Hier noch ein paar Kerzen…“) zu Hause kann ich euch versprechen – danach ist nur noch eine Partei euphorisch und zwar die, die die Wunschliste hat. Wenns ganz gut kommt, erreicht ihr zumindest das Stadium der Resignation. Immerhin keine Antwort ist auch eine Form der konkludenten Zustimmung. 

Kommen wir zurück zu unserem Ikeabesuch und zur zuckersüßen Unwahrheit Nr. 2. „Wir wollen auch nur ganz kurz zu Ikea.“

Jedes Wort ist natürlich Definitionssache. Wir Frauen haben unsere eigenen Definitionen, wenn es um das Wort „kurz“ in Verbindung mit Shopping geht. Aber das ist ja das tolle an Interiorshopping. Wir können die Teilnehmer unseres Besuches in sämtlichen Abteilungen „parken“, so dass aus „kurz“ gerne mal „stundenlang“ werden kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, denn die Wartezonen wie „Café“ oder das neuste „Sofa“ können die Wartezeit in gewisser Weise schon versüßen. Aber Achtung, auch hier sollten die Warnglocken angehen. Sollte (M)an(n) diesen Satz hören: „Setz dich doch mal hier hin. Lass den Raum doch mal auf dich wirken.“, ist das die Übersetzung für – „Ich habe mir dieses Raumdesign bereits im Onlinekatalog angeschaut und plane die Wohnung genau danach umzugestalten.“ (M)an(n) sollte also wissen, dass (M)an(n) bereits in seinem zukünftigen Wohn-/Ess-/Schlafzimmer sitzt. 

3. „Wir sind nur wegen dieser EINEN Pflanze da“ – übersetzt – „Ich habe einen DINA4zettel in meiner Handtasche, den ich mir zuvor wochenlang vorbereitet habe.“

Spätestens, wenn es darum geht, im Lager die Pakete rauszuheben, wissen unsere Teilnehmer des Besuches, dass es hier schon lange nicht mehr NUR um EINE Pflanze geht. Misstrauisch sollte (M)an(n) bereits schon werden, wenn es heißt: „Ach komm, lass uns doch einen Wagen nehmen und nicht die gelbe Ikeatasche.“ Jetzt hat man nur noch zwei Möglichkeiten. Zurück ins Kinderparadies zu laufen und sich abholen zu lassen (geht leider nicht, denn wir sind alle zu alt) oder am Ende des Besuches Schmerzensgeld in Form des Ikeahotdogs zu verlangen. 

Und was wollte ich euch eigentlich erzählen? 

Ich war letzte Woche bei Ikea. Ich wollte auch nur ganz kurz dort hin und brauchte eigentlich auch nur Gardinen und eine Eukalyptuspflanze. Ich bin mit zwei Einkaufswagen wieder rausgekommen…. Happy Shopping, liebe Damen! 

Disclaimer: Hier handelt es sich um Werbung !!!, da Ikea als Geschäft ausdrücklich genannt worden ist. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ich meine Sachen selbst gekauft habe. 

2018-12-29T13:05:25+00:00Juli 27th, 2018|interior|0 Comments