Der Herbst ist da

Draußen kehrt die Stadtreinigung gerade das frisch abgefallene Herbstlaub zusammen. Wir kuscheln uns noch ein wenig unter unsere mittlerweile viel zu kalte Sommerdecke. Es ist 6 Uhr. Der Handywecker erinnert uns daran, dass die obligatorischen 5 Minuten mittlerweile 15 Minuten her sind. Langsam blinzeln wir mit unseren Augen und erhaschen einen Blick in die morgendliche Dämmerung.

Es ist offiziell. Der Herbst ist da oder um es in den Worten meines Nachbarn zu schildern „Ick guck raus und krieg ne Krise.“ Woran erkennt man eigentlich den Herbst in der Großstadt?, fragte mich letztens eine gute Freundin am Telefon, als wir über das Landleben sprachen. Da gibt es wohl viele Gründe, nehmen wir zum Beispiel den ersten Abschnitt des Tages.

Wir erkennen den Herbst…

Zum Beispiel an dem morgendliche Gratiskonzert. Sozusagen die Neuinterpretation von „Im Winde verweht“. Unsere Ohren dürfen gespannt lauschen, wie es sich anhört, wenn gewagte Mimik und Gestik auf Taten und mechanische Handlungen treffen, gefolgt von einem Redeschwall an sämtlichen Großstadtvokabular, den nur wir mit Herz und Schnauze so richtig authentisch rüberbringen können und das zu Tageszeiten, wo andere sich noch nichtmal umgedreht haben, um aufzustehen. Ihr denkt gerade an eine moderne Theateraufführung? Nicht ganz. Ich rede da eher von sämtlichen Gesichtsakrobatiken, Hände vor dem Kopf zusammenschlagen, Scheibe runterkurbeln und auf die Hupe in sämtlichen Wutstufen drücken bis zum Höhepunkt, dem Redeschwall an Beleidigungen. Und das alles wofür? Na, wenn die Stadtreinigung mal wieder ganz bewusst UNS ärgert, indem sie zur gleichen Zeit meint, die Hauptstraße vom Herbstlaub befreien zu müssen, wenn wir es nie eilig haben… wenn wir was können, dann ist es frühstücken, Carsharing und selbst noch bei -5 Grad um 6 Uhr uns sämtlichen Gesichts- und Redeakrobatiken hingeben.

Wir erkennen den Herbst…

Daran, dass wir jetzt bei unserem Lieblings- Deli doppelt so lange in der Schlange für Heißgetränke stehen und morgens nicht gezwungen sind, zu lächeln oder zu kommunizieren, weil der Mensch hinter dem Tresen uns konkludent zu verstehen gibt, wie sehr er sich auf uns und die gefühlten 200 anderen Kaffees gefreut hat. 

Wir erkennen den Herbst …

Daran, dass unsere eingeplanten Verkehrsverbindungen auf jeden Fall das halten, was sie versprechen: Pünktlichkeit, Zufriedenheit und einen herzlichen Empfang. 

  1. Die Bahn wird nie gestrichen, weil eine Schienenstörung besteht
  2. Schienenersatzverkehr gibt es so gut wie nie im Großstadtdschungel, denn umgebaut wird ja bei uns in der Großstadt nur alle 10 Jahre 
  3. Wir ansonsten immer noch den Bus nehmen könnten, in dem wir an jeder Bushaltestelle herzlich in Empfang mit Worten wie „Soll ick Ihnen och noch nen Brief zukommen lassen, jutes Fräulein, Von der Tür weg, sonst fährt der Bus nicht!!!!!!!“ genommen werden, sowohl durch Fahrgastpublikum, als auch durch den/die ChefIn des Busses

Da wird es wohl Zeit für ein paar Hygge-Tipps, um durch den Herbst zu kommen? (Unbezahlte Werbung, da ab jetzt Marken/Geschäfte genannt werden)

Lachen und Quatsch machen? Klingt kindisch? Nö, einmal eine Ladung Herbstlaubrennen um die Wette. Lohnenswert- Spaziergang durch den Tiergarten, da raschelt es besonders schön.

Die Woche war ziemlich stressig? Dann ist es höchste Zeit für ein paar ruhige Entspannungsstunden im Liquidrom. Orientalische Klänge unter Wasser, kuschelige Decken, Salzabrieb  und eine Portion Wohlfühlfaktor gibts inklusive.

Keine Ideen für Herbstrezepte? Schnippeln, schälen, herzliche Anleitungen und gemeinsames Dinieren im Kochhaus Schöneberg. Rezepte und einen kleinen Eindruck gibt es demnächst unter der Kategorie „Tasty food“.

Schietwetter draußen, 21 Uhr und an der Friedrichstraße? Unterschlupf findet ihr bei einer gemütlichen Tasse Tee und jede Menge Leselektüre, Inspirationen, interessante Vorträge und gute Musik findet ihr bei Dussmann an der Friedrichstraße. 

Sonntags, kleiner Herbstkater vom Vorabend und noch kein Plan für den Nachmittag? Ab gehts zum Markt nach Schöneberg. Frische Blumen und belgische Waffeln, gibts für Naschkatzen. Wer eher Wlan und einen guten Kaffee sucht, der ist an der Potsdamer Straße oder im Akazienkiez gut aufgehoben. Also Macbook einpacken und los gehts. Was gibt es schöneres, als Sonntags nicht unter Menschen mitten in der herbstlichen Stadt zu sein?

Alleine kochen ist blöd? Na dann ein Grund mehr, jemanden damit zu überraschen. Ob erste Rezepte für ein Thanks-Giving-Dinner mit Freunden oder ein Flammkuchen mit Lachs und Meerrettich, schnappt euch eure Lieblingsmenschen – Lachen, jede Menge Spaß und Austausch gibts dazu. Ich würde sagen, auf die Kochmütze, fertig los.

Und was die weiteren Herbst-Hygge-Tipps im Interior/Decor und Travelbereich angeht, da gibts demnächst noch kunterbuntes zu entdecken. 

2018-12-29T13:04:46+00:00Oktober 24th, 2018|column, daily inspiration|0 Comments